Anfrage: Energiesysteme der Sozialbau (Jakobswiese und Schumacherring)
Anfrage: Energiesysteme der Sozialbau (Jakobswiese und Schumacherring)
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Kiechle,
Sehr geehrte Damen und Herren,
in Gesprächen mit Bürgern wurden mir mehrere Sachverhalte erläutert, die bei mir Fragen aufwerfen.
Hierbei handelt es sich um folgende Bereiche:
- Energiesysteme auf der Jakobswiese und deren Abgassysteme
- ZEUS GmbH – Energielieferant?
- Nahwärme – CO2-Aussage und Aufbau am Schumacherring
- Schumacherring – Mietsteigerung durch „Sanierung“
- Grundsätzliche Fragestellung
1. Energiesysteme auf der Jakobswiese und deren Abgassysteme
Auf der Jakobswiese werden vereinzelt Zusatzheizsysteme mit Festbrennstoff eingesetzt, welche in der kalten Zeit die Wohnungen Einzelner beheizen sollen. Die dafür aufgebauten Kaminsysteme über den flachen Satteldächern lassen die Abgase leider nicht in die freie Luftströmung aufsteigen. Dies führt dazu, dass die Abgase im Wohngebiet der Jakobswiese verteilt werden und dabei alle Bewohner durch die Abgase und Feinstäube gestört und in ihrem Wohnumfeld gesundheitlich beeinträchtigt werden.
Durch das Lüftungskonzept der Sozialbau können die Bewohner den Abgasen leider nicht ausweichen in dem Sie die Fenster geschlossen halten. Denn alle Fenster sind mit einer Spaltlüftung versehen, welche durch einen nicht abschaltbaren Lüfter im Bad kontinuierlich Luft von außen ansaugt. Durch diese Zwangslüftung in den Wohnungen gelangen die Abgase zwangsläufig in die Wohnungen der Sozialbau auf der Jakobswiese und gefährden die Gesundheit der Bewohner.
Zudem berichten Bewohner von Wohn- und Geschäftseinheiten von zugigen Wohnungen und Geschäftsräumen – gerade in der kalten Jahreszeit. Energieeffizientes Lüften mittels Wärmerückgewinnungsgeräten würde diese zugigen Wohnungen gar nicht erst zulassen. Andere Wohnbaugesellschaften und Wohnungsinhaber setzen daher erfolgreich auf dezentrale Lüftungseinheiten mit Wärmerückgewinnung. Dabei entsteht kein Zug in der Wohnung, sondern ein angenehmes, effizientes Wohnumfeld, auch im sanierten und unsanierten Altbau.
Fragen:
- Entspricht das Zwangslüftungskonzept den Vorgaben für sicheres und energieeffizientes Wohnen?
- Wie wird sichergestellt, dass Abgassysteme von Zusatzheizungen so aufgebaut sind, dass die Abgase auch wirklich in die freie Überströmung gelangen und damit die Bewohner nicht gesundheitlich beeinträchtigt sind?
- Weshalb setzt die Sozialbau GmbH als kommunales Wohnbauunternehmen auf zugige Wohnungen und ineffizientes Lüften in Alt- und Neubau?
2. ZEUS – GmbH – ein Energielieferant?
In den Aussagen und Präsentationen wird die Zeus-GmbH gerne als Betreiber von Wärmeanlagen und Energielieferanten dargestellt. In der mir vorliegenden Abrechnung der Nebenkosten für eine Wohnanlage stellt diese ZEUS-GmbH jedoch keine Rechnung und wird auch mit keinem Wort auf diese verwiesen obwohl von Seiten Sozialbau immer vermittelt wurde, dass die Energie von der ZEUS-GmbH bereitgestellt wird. Notarielle Eintragungen und Schriftverkehre bestätigen den Sachverhalt, dass die ZEUS GmbH Lieferant für die Energie sein soll.
Frage:
- Weshalb stelle die ZEUS-GmbH trotz der vertraglichen und notariellen Energiebereitstellung keine Rechnungen gegenüber den Kunden (Mieter und Eigentümer)?
3. Nähwärmeversorgung am Schumacherring:
Seit nun mehreren Monaten prangen Banner der Sozialbau entlang des Schumacherrings, welche lauten:
- Warm … wärmer … Nahwärme
- CO2-arme Nahwärme? Gerne!
Betrachtet man die physikalischen, technischen Hintergründe der Aussagen kommt man zum Schluss, dass diese Aussagen nicht stimmen.
Denn die betreffenden Wohnanalagen wurden bis dato mit überaus effizienten und robusten Gasthermen, in den Wohnungen selbst, mit Wärme versorgt. Kein anderes Gassystem ist effizienter und direkter. Wärmer wird es wegen der Umstellung auf ein Nahwärmenetz ebenso nicht.
Ein Nahwärmenetz in der von der Sozialbau angestrebten Größe hat jedoch, bis die Wärme in den Wohnungen ankommt, so viele Verluste, dass diese definitiv mehr Energie benötigt als die bis jetzt eingesetzten Heizsysteme. Dies wird auf den Abrechnungen der Sozialbau ersichtlich, betrachtet man den Primärenergiefaktor. Dieser ist in den Abrechnungen für Fernwärmesystemen teilweise mit 1,1 angegeben, womit ausgedrückt wird, dass mindestens 10% mehr an Energie notwendig war, um die nutzbare Energiemenge an den Kunden zu bringen. Entsprechend stößt man 10% mehr CO2 aus.
Gleichzeitig überrascht die Sanierungsreihenfolge. Von jedem Energieberater wird angeraten zuerst die Gebäudehülle in Angriff zu nehmen und anschließend die Heizungsanlagen. Hintergrund ist, dass bei einer sanierten Anlage die Heizungsanlage wesentlich kleiner ausfallen kann. Am Schumacherring wird genau dieses nicht gemacht.
Zudem wurden für die Nahwärmeversorgung vier bis fünf Garagen aufgelöst, um dort das mit Gas betriebene Heizungssystem unterzubringen. Entsprechend weniger Parkraum steht nun für die Bewohner zur Verfügung.
Die dort verbauten Kamine reichen gerade unter die Belaubung der umliegenden Bäume. Die Abgase des Heizzentrums gelangen bei ungünstigen Witterungsverhältnissen in das Wohnumfeld und den Wohnungen der unmittelbaren Nachbarschaft. Gleichzeitig kann nicht garantiert werden, dass die Bäume keinen Schaden nehmen, da der Abgasstrom direkt daran vorbeizieht, bzw. in die Baumkronen weht.
Von Anwohnern der betreffenden Wohneinheiten wird zudem berichtet, dass die Umsetzung der Fernwärme in den Wohnungen nicht mit der notwendigen Sorgfalt ausgeführt wurde. Teilweise lassen sich die Badtüren nicht mehr richtig öffnen, da die Waschmaschinen durch einen fehlplatzierten Wasseranschluss nicht richtig positioniert werden können. Schiefe Wände und übermäßig verteilter Baustaub in den Wohnungen runden die Sanierung ab. Eine entsprechende Unzufriedenheit wird seitens der Bewohner auch vermittelt.
Auch berichten die Bewohner in den oberen Stockwerken von kalten Wohnungen, da die Vorlauftemperaturen nicht ausreichen, um die Wohnung auf die Mindesttemperatur von 20 bzw. 21° zu bringen. Spätestens in der Nacht kann teilweise eine Temperatur von 16 nicht erreicht werden, da die Nachtabsenkung aktiv ist. Damit kühlt die Wohnung aus und trägt zusätzlich zur Schimmelbildung bei, die seit der Nahwärmeversorgung in mehreren Wohnungen aufgetreten ist und nicht mehr in den Griff zu bekommen ist. Auch ein ausreichendes Fensterlüften kann die Schimmelbildung nicht mehr unterbinden.
Fragen:
- Wann werden die Banner mit den Falschaussagen entfernt?
- Warum verletzt die Sozialbau die gängigen Sanierungsfahrpläne für eine energieeffiziente Sanierungen?
- Warum wurde nicht das Gasnetz am Schumacherring erneuert, um den Weiterbetrieb der effizienten Gasthermen in den Wohnungen zu ermöglichen?
- Warum wird den Mietern die Freiheit genommen, den Energieanbieter frei wählen zu können?
- Ist das Abgassystem der Kraftwerksanlage (Wärmekraftwerk) im Garagenbau am Schumacher Ring auch nach den richtigen Regeln und Vorschriften für Kraftwerke ausgelegt damit Anwohner und Umwelt durch die Abgase nicht übermäßig belastet werden?
- Weshalb wurden die Einbauten so schlecht geplant und ausgeführt, dass sogar die Messstellen in den Wohnungen lose in den Übergangsstationen liegen, anstatt ordnungsgemäß montiert zu sein?
- Was unternimmt die Sozialbau, um Schimmel in den Wohnungen zu verhindern und zu beseitigen? Ist die Strategie zielführend, um eine Gesundheitsgefährdung der Mieter auszuschließen und Schwangere zu schützen?
4. Schumacherring – Mietsteigerung durch „Sanierung“
Mir wurde zudem berichtet, dass den Mietern des Schumacherrings Mietkostensteigerungen angekündigt wurden. Begründet wird dies durch den Einbau der Umsetzung der Nahwärmeversorgung, welche durch die Sozialbau als energetische Modernisierungsmaßnahme benannt wird.
Von einer energetischen Modernisierungsmaßnahme kann jedoch nicht gesprochen werden, betrachtet man die nachträglichen Einbußen im Wohnklima, Wohnkomfort und der Gesundheitsgefährdung durch Schimmel. Selbst der Energieträger ist der Gleiche.
Unter den gegebenen Umständen ist die Umstellung auf Nahwärme, weiterhin betrieben durch Gas, keine energetische Sanierungsmaßnahme, auch keine Modernisierung, die eine Mietsteigerung begründet.
5. Grundsätzliche Fragestellung
Die Sozialbau leistet eigentlich einen wesentlichen Beitrag zur Bereitstellung von Wohnraum. Dennoch ist zu erkennen, dass die derzeitigen Entscheidungen in Sachen Energiesysteme – auch die langfristig zu treffenden - allesamt darauf ausgelegt sind fossile Brennstoffe zu nutzten. Das Ziel, welches im Wärmeplanungsgesetz formuliert ist, dass Heizsysteme ab dem 1. Januar 2030 zu 30% aus erneuerbaren Energien oder Abwärme gespeist werden, bzw. ab dem 1. Januar 2040 mit mindestens 80%. (§29 - WPG), kann so nicht erreicht werden.
Dies betrifft ebenso das Neubauprojekt am Engelhaldepark. In den Planungsunterlagen ist bisher die Wärmenutzung aus der Fernwärme der Müllverbrennungsanalage vorgesehen. Jedoch werden dort auch recyclebare Materialen verbrannt, was dem eigentlichen Gedanken des ressourcenschonenden Umgangs mit der Natur widerspricht. Entsprechend wird die Frage aufgeworfen, ob es sich dabei um unvermeidbare Abwärme handelt oder nicht. Wird die Frage negativ beantwortet ist das Fernwärmenetz in Kempten nicht als regenerativ im Sinne des Wärmeplanungsgesetzes definiert.
Daher stellt sich die Frage, wann kommt die kommunal getragene Sozialbau zur Strategie der Nutzung von regenerativen Energien, um den Energiehunger der Wohnanlagen zu befriedigen?
Gerade als kommunales Wohnbauunternehmen besteht die Pflicht des Vorangehens beim Einsatz günstiger erneuerbarer Energien für die Wohnraumwirtschaft gegenüber dem Bürger und der Gesellschaft. Regenerative Systeme sind heute schon wesentlich günstiger im Betrieb als die klassischen fossilen Energieträger.
Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen
Franz Josef Natterer-Babych